Morgens um sechs Uhr ist die Welt noch in Ordnung. Solange, bis man im Bad am Spiegel vorbei kommt und das vom Schlaf zerknautschte Gesicht sieht. Gottlob, denkt sich so mancher, sehen die Augen morgens noch nicht so gut. Sie sind im Halbschlaf noch gnädig und lassen nicht die ganze Wahrheit durch.
Nach einem mehr oder weniger langen Retuschierungsvorgang wird der Blick auf das eigene Antlitz meist gnädiger. Und dennoch macht uns auch dann mangelnde Selbstakzeptanz viel zu oft einen Strich durch die Rechnung. Da sind hier ein paar Kilo zu viel, dort die Haare zu grau oder zu licht. Und da sind eindeutig zu viele Falten, die nicht mehr als Lachfältchen durchgehen.
Und als würde es irgendetwas zum Positiven verändern, richten wir unseren Fokus wieder und wieder auf die vermeintlichen Mängel. Um uns dann über die eigene Unzufriedenheit zu wundern. Die ganz Hartnäckigen unter uns weisen sogar andere Menschen in ihrem Umfeld auf die eigenen scheinbaren Unzulänglichkeiten hin.
Da wird der Freundin das Leid geklagt, weil man 3 Kilo zugenommen hat oder die Geheimratsecken an Größe zugelegt haben. Und die Freundin schaut uns nur groß an. Vermutlich hat sie diese Veränderung bis dahin gar nicht bemerkt. Und wenn, scheint es sie nicht zu stören. Weil Sie mehr sind, als Ihre scheinbaren Mängel. Weil Ihre Freundin den Menschen in seiner Einzigartigkeit und ganzen Liebenswürdigkeit sieht. Weil sie Sie mag, auch dann, wenn Sie nicht als Double von Heidi Klum oder George Clooney durchgehen. Und weil Ihre liebevolle Art, Ihr herzliches Lachen, Ihr scharfsinniger Verstand, Ihr Mitgefühl oder was Sie sonst auszeichnet, im Fokus ihrer Betrachtung liegt. Und weil Fältchen oder ein Rettungsring daran überhaupt nichts ändern.
Wie wäre es, sich an solch kritischen Tagen mal durch die Augen der Freunde zu betrachten? Und sich zu fragen, wie die Sie eigentlich sehen?
Und vertrauen Sie ruhig deren Urteil. Schließlich sind das die Menschen, die Sie schätzen und daher bewusst in Ihr Leben gelassen haben.
Und dann schauen Sie nochmal in den Spiegel. Eigentlich sind Sie doch ein wunderbarer Mensch. Oder?
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