Die Buslinie zu unserem Wohngebiet nimmt’s mit der Pünktlichkeit nicht so genau. Drum wartet man schon mal 10 Minuten und mehr, bis sie dann endlich kommt. Meinem Sohn treibt das jedes Mal den Blutdruck in die Höhe. Warten müssen ist so gar nicht seins. Kann ich verstehen, ich mag das auch nicht.
Und mal ehrlich, wer ist schon so wirklich geduldig? Wenn wir etwas wollen, dann doch meist umgehend, nachdem der Wunsch in uns aufgeflackert ist. Oder zu dem Zeitpunkt, an dem wir etwas Bestimmtes erwarten. Und nicht umsonst steckt das Wort „warten“ in „erwarten“ drin.
Und ob wir nun auf Bus und Bahn warten oder darauf, dass eine geliebte Person sich endlich mal wieder meldet, fast immer spielen Enttäuschung und Wut eine Rolle, wenn sich das Ereignis zeitlich nach hinten zieht. Da wird alle 2 Minuten nervös auf die Uhr geschaut, gehupt, wenn der Vordermann nicht direkt bemerkt, dass die Ampel auf grün umgesprungen ist oder die Freunde verrückt gemacht, weil die gewünschte Whatsapp-Nachricht noch nicht eingegangen ist.
Ändern tut all das nichts. Zumindest nichts in Richtung Besserung. Statt dessen steigt der Blutdruck und die Laune sinkt. Und kommt der Bus dann mit Verspätung endlich an, steigt man schlecht gelaunt ein und kommt 10 Minuten später zuhause an. Um dann – ja wozu eigentlich? Um dann wenige Minuten später in den eigenen vier Wänden zu sitzen und sich noch einige Zeit dank jeder Menge Stresshormone im Blut mit schlechter Laune weitere Lebenszeit zu vermiesen. Da wird sich beim Partner über die Busanbieter echauffiert und die Laune des Gegenübers gleich mit runter gezogen. Wegen 10 Minuten Wartezeit mal eben 1 Stunde Ärger. Ärger der rein gar nichts brachte.
Wie wäre es, statt dessen die Situation schlicht so anzunehmen, wie sie ist? Der Bus kommt nicht schneller, nur weil Sie sich ärgern. Und schon gar nicht ist er beim nächsten Mal pünktlicher, nur weil Ihr Blutdruck beim letzten Warten in ungeahnte Dimensionen geschnellt ist.
Das Unvermeidbare zu akzeptieren und in der Wartezeit z.B. zu lesen -ob in einer eben gekauften Zeitschrift, einem mitgebrachten Buch oder auf dem Smartphone-, ein Telefonat mit einer lieben Freundin zu führen oder einen netten Smalltalk mit einem Mitwartenden zu beginnen, vertreibt die Zeit. Und sobald Sie den Fokus von Ihrer Uhr und Ihrer Wut genommen haben, verfliegt die Zeit bis zum Eintreffen des Busses, der Whatsapp-Nachricht oder auf was auch immer Sie warten, viel schneller.
Sich also bewusst gegen den Ärger und für etwas Angenehmeres zu entscheiden tut gut. Ihnen und den Menschen um Sie herum.
Denn Sie wissen ja: Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.
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