Wir alle erzählen ständig Geschichten über uns und unser Leben. Wenn wir von unseren Kindern erzählen, unserer Arbeit, unseren Problemen. Hören Sie beim nächsten Mal genau hin, wenn man Ihnen etwas erzählt. Denn mehr als das, was Sie an Inhalt hören, hören Sie vor allem, wie Ihr Gegenüber denkt. Über sich, über das Leben und darüber, wie groß sein Einfluss darauf ist.
Und wie ist das mit Ihren Geschichten, die Sie mehr oder weniger von sich preis geben und die wie aufgereihte Perlen Ihre Lebenskette bilden? Wie sehen Sie sich? Und ist das Bild, das Sie von sich sehen, wirklich ein Bild, dessen Wahrheit unumstößlich ist? Und ist Ihre Wahrheit wirklich Ihre Wahrheit? Oder könnten Sie Ihre Geschichte auch anders sehen und anders erzählen? Ließe all das, was Sie erlebt haben vielleicht auch andere Schlüsse zu?
Vor kurzem traf ich eine liebe Bekannte. Ihre Sicht auf sich selbst und auf ihre Außenwirkung war weit von dem entfernt, wie ich sie sehe. Viel „kleiner“ und nicht so wundervoll, wie sie in meinen Augen ist. Selbstzweifel und Selbstbegrenzungen kamen zum Vorschein, die nur den Zweck erfüllen, uns nicht in unserer ganzen Größe zu zeigen. Weil tief verwurzelte Überzeugungen im Unterbewusstsein ihr Tagewerk verrichten. Die seit Jahren ungeprüft die ewig gleiche Leier unserer angeblichen Mängel aufsagen. Sie auszugraben und zu überprüfen, ob sie noch ihre Berechtigung haben, oder ob wir sie wie ein zu klein gewordenes Kleidungsstück ablegen sollten, kann ungemein befreiend wirken. Wie eine Raupe, die sich -zum Schmetterling gereift- aus ihrem Konkon befreit. Der sie während ihres Reifeprozesses schützte, aber jetzt zu eng geworden ist und nur noch Unfreiheit bedeutet.
Schauen Sie sich an, was Sie eigentlich über sich selber denken. Ist ihr Blick auf Sie selbst eher ablehnend und verurteilend? Und wollen Sie das eigentlich wirklich? Oder wäre nicht genau jetzt der Moment, damit aufzuhören? Diese Gewohnheit zu durchbrechen und das ein oder andere neu und besser zu bewerten?
Mit einem liebevollen Blick können Sie Ihre Lebensgeschichte mit all ihren Kapiteln neu schreiben. Leichter, wertschätzender und anerkennender.
Sehr schön und sehr wahr. Habe es selbst ausprobiert und war erstaunt, dass es da auch andere Variationen meiner Lebensgeschichte gibt, die genau so wahr sind, wie die eine, oft Wiederholte (negative).
Vielen Dank für diese wunderbare Anregung!