Sind Sie schon mal vom 5-Meter-Brett gesprungen? Ich war zwölf, als ich zitternd auf dem Sprungturm des Freibads stand. Ich konnte mich einfach nicht überwinden, diesen einen entscheidenden Schritt nach vorne zu machen. Beinahe wäre ich die Leiter wieder herabgestiegen. Die Angst nicht mehr zu spüren war mir plötzlich viel wichtiger, als mein Ziel zu erreichen. Und das Ziel war schon verlockend, wollte ich doch genau so cool sein, wie alle anderen, die schon vor mir gesprungen waren.

Ich hätte den Mann, der auf der Wiese stand und zu mir empor sah, vor lauter Panik fast nicht gehört. Mit ruhiger Stimme gab er mir den Tipp, einfach nicht nach unten zu sehen, sondern nach vorne. Damit ich nicht sehen könne, wie scheinbar tief es vor meinen Füßen nach unten ging. Und dann diesen einen entscheidenden Schritt nach vorne machen.

Und dann bin ich gesprungen.

Und danach gleich ein zweites Mal. Weil die Angst überwunden war und ihren Schrecken verloren hatte. Und weil das Ergebnis fantastisch war.

Seitdem bin ich in meinem Leben oft „gesprungen“. Und zwar immer dann, wenn das, was hinter der Angst kam, größer und wichtiger war, als die Angst. Denn es braucht meist nur diesen einen wichtigen Schritt nach vorne, um etwas Neues zu bewegen. Um das eigene Leben in eine bessere, glücklichere Richtung zu schubsen.

Denn meist zeigt uns unsere Angst die Richtung, in die wir gehen sollten. Sie dient uns als Wegweiser zum eigenen Glück. Oft ist das, wovor uns die Angst abhalten will, genau das, was unser Leben bereichert und uns nach vorne bringt.

Denn eins lehrt uns unsere Überwindung: Dass unser Horrorszenario, das sich in unserem Kopf abspielt und das uns von unserm „Schritt nach vorne“ abhalten will, sich nicht als real erweist und es meist viel besser weitergeht, als gedacht. Dass uns die Angst nur den Blick auf unsere wahre Größe versperrt.

Und dass sie eine echte Spaßbremse ist, der Sie ruhig immer wieder die rote Karte zeigen sollten.