Eigentlich wissen wir doch ganz genau, wie der Hase läuft. Wir, die Auskenner.

Wir, die wir wissen, was gut für uns ist und was nicht.

Was etwas taugt und was nicht.

Wohin wir wollen und wohin nicht.

Und vor allem was richtig ist und was nicht. Also so unumstößlich jetzt.

Meistens.

Wenn da nicht immer mal wieder diese Momente und Lebensphasen wären, die uns mit aller Gewalt in eine ungewünschte Richtung zu schubsen scheinen. Und in denen wir uns oft sträuben und wehren. Phasen, in denen wir -sofern es andere trifft- gerne mal den Rat geben, anzunehmen, was ist. Ein Rat, der sich viel leichter sagt, als ihn umzusetzen. Aber das ist bei einem Rat ja meistens so.

So eine Phase kann z.B. sowas wie eine schmerzhafte Verletzung sein. Sämtliche berufliche und private Termine und Pläne sind von jetzt auf gleich Makulatur. Zwingen zum Umdenken und Umplanen. Denn so eine Verletzung fragt ja nicht vorher nach, ob’s einem gerade zeitlich passt. Und ob man überhaupt Interesse an ihr hat. Stattdessen ist sie eher ein Störfaktor, welcher die eigenen Pläne salopp über den Haufen wirft.

Und schon geht sie los, die Mühle des Haderns: „Mensch, muss das denn sein?“ „Warum gerade jetzt, wo ich doch unbedingt A, B und C machen muss?“ „Sowas braucht doch kein Mensch.“ „Das ist für nix gut.“

Oder doch?

Ich glaube es lohnt sich, in solchen Momenten -nach dem ersten Widersetzen- mal genauer hinzuschauen. Das kann einen sogar zur Dankbarkeit führen. Denn diese Verletzung macht einem nochmal bewusst, welch gute Dienste der eigene Körper im Alltag so leistet. Oder danken Sie jeden Morgen oder Abend ihren Knien, dass sie gut in die Hocke gehen können, Ihrer Nase und Ihren Augen, dass sie Ihnen hilft, gute Lebensmittel von schlechten zu unterscheiden, Ihren Füßen, dass sie Sie jeden Tag von A nach B tragen, Ihren Händen, dass sie damit festhalten, schreiben, sich anziehen, am PC arbeiten usw. können? Das macht man sich viel zu selten bewusst. Es ist selbstverständlich für uns geworden, ohne es zu sein.

Und in solch lädierten Phasen merkt man einmal mehr, wie viele wunderbare Menschen man um sich hat, die einem helfend zur Seite springen und Alltagserledigungen übernehmen, zu denen man gerade nicht in der Lage ist. Und dass man das neue Buch lesen könnte, für das man bisher noch keine Zeit hatte.

Was auch immer uns im Leben ausbremst, es tut es nur auf den ersten Blick. Danach bekommen wir die Möglichkeit, unseren Blick darauf nochmal neu zu justieren.

Die Gedanken nochmal neu auszurichten.

Neue Teilaspekte zu erforschen und uns neue Ziele zu stecken.

Ob es sich dabei um eine schmerzhafte Scheidung handelt, einen Jobverlust oder ein buchstäblicher Beinbruch, der uns zu einem Neustart unter veränderten Rahmenbedingungen führt: Geben wir der Krise die Chance, zu hinterfragen, was sie neben dem augenscheinlich Schwierigen an Positivem für uns im Gepäck hat.