Kennen Sie auch diesen Jemand, der einfach nicht nein sagen kann? Der bei jedem Umzug hilft und unermüdlich 35 Kartons in den vierten Stock schleppt, wie selbstverständlich bei jeder Feier in der Küche hilft, die Nachbarn zum Flughafen fährt, statt selber in Urlaub zu fliegen und 3 Wochen auf deren Katze und Wellensittich aufpasst. Oder sind Sie sogar selbst dieser Jemand? Dann gehören Sie zu den Menschen, die unter einem weit verbreiteten „Sprachfehler“ leiden, nämlich dem, nicht nein sagen zu können.

Natürlich ist es wunderbar, hilfsbereit zu sein und seinen Mitmenschen zu helfen. Aber mal ehrlich, wollen Sie immer das tun, was andere an Sie herantragen? Und ist das Verhältnis zwischen helfen und Hilfe erhalten ausgewogen?

Wenn ja: Glückwunsch. Wenn nicht, dann sollten Sie beim nächsten Mal vielleicht kurz innehalten, wenn jemand etwas von Ihnen möchte. Und sich Bedenkzeit erbitten, bevor Sie wie selbstverständlich „Ja klar“ antworten.
Und wenn Ihr Bauch in dieser Zeit intensiv grummelt -oder das sogar schon bei der Anfrage getan hat- und Sie merken, dass Sie lieber nein sagen möchten, dann probieren Sie doch mal aus, wie das so ist, dieses Wörtchen auszusprechen. Was geschieht, wenn Sie eine Bitte ablehnen? Und deckt sich das, was Sie befürchtet haben mit dem, was wirklich passiert? Haben Sie sich überhaupt schon mal Gedanken darüber gemacht, welche Ängste da in Ihnen Regie führen?

Denn irgendeine Angst hat Sie ja bisher immer davon abgehalten, für Ihre eigenen Bedürfnisse einzustehen. Was hat Ihnen diese Angst denn immer ins Ohr geflüstert? Dass man Sie für egoistisch hält? Dass man Sie bei einem Nein nicht mehr so gerne mag?

Und stimmt das denn? Mögen Sie selbst denn lieber den allzeit bereiten Ja-Sager, der ohne Kanten durchs Leben geht und sich jedem anderen anpasst? Oder doch eher den Menschen mit erkennbaren Eigenheiten? Der zwar freundlich ist, aber noch lange nicht immer springt, wenn irgendjemand ruft. Der seinen eigenen Wert kennt, weiß was er will und seine Ziele verfolgt.

Und wenn es Ihnen schwerfällt, Ihnen nahestehenden Menschen etwas abzuschlagen, dann üben Sie diesen Bereich der Selbstliebe doch mal anderswo. An der Supermarktkasse zum Beispiel: Jemand möchte, dass Sie ihn vorlassen, weil er weniger Waren hat. Gut, hat er, aber Sie haben es auch gerade eilig und können sich eine Verzögerung nicht wirklich leisten. Lächeln Sie freundlich und sagen Sie nein. Und wenn es leichter fällt, dann begründen Sie es. Aber bleiben Sie bei sich und Ihren Bedürfnissen.

Wer sonst sollte das tun, wenn nicht Sie?

Und denken Sie daran: Übung macht den Meister.