Es ist Mitte Dezember. Und wie jedes Mal haben Sie sich auch dieses Jahr fest vorgenommen, schon im Sommer in aller Ruhe die Weihnachtsgeschenke zu besorgen. Damit Sie sich im Dezember nicht in den Weihnachtsirrsinn der Stadt quälen müssen. Warum Sie allerdings immer noch kein einziges Geschenk haben, können Sie sich selbst kaum erklären. Und Sie ahnen, dass Sie am Samstag vor Heilig Abend zum zweiten oder dritten Mal entnervt losziehen, um inmitten von Hunderten von Menschen durch die Geschäfte zu rennen. Und das ohne blassen Schimmer, was Sie dieses Jahr ihren Lieben schenken sollen.

Damit sind Sie in guter Gesellschaft. Denn den Menschenmassen, die Ihnen im Eifer des Gefechts die Ellenbögen in die Seite rammen -immer auf der Jagd nach „der Idee“ schlechthin- geht es genau wie Ihnen.

Haben Sie mal beobachtet, was mit all dem Kram, der dann auf den letzten Drücker unterm Tannenbaum landet, ein paar Tage oder Wochen später geschieht? Dann geht nämlich der Irrsinn wieder von vorne los. Da werden die Frotteeschlafanzüge von Tante Helga, die DVD vom Schwager und die teure Uhr Ihrer Frau zwecks Umtausch zurückgebracht. Weil‘s halt nicht gefällt. Aber immerhin hatte man was, was man unter das Tannengrün legen konnte. Und ist seiner „Schenkpflicht“ nachgekommen.

Wenn ich Sie jetzt frage, was Sie vor drei Jahren von ihren Lieben bekommen haben, wissen Sie das dann noch? Ich glaube die wenigsten von uns haben das noch im Kopf, geschweige denn im Herzen. Weil eine Flut von Präsenten uns übermannt. Und weil doch meist die persönliche Note fehlt. Das fünfte Handy, der dritte Ring, die siebte CD. Wie soll man sich da noch erinnern?

Und so geht der Sinn des Schenkens langsam aber sicher verloren. Anstelle eines Ausdrucks von Liebe oder Zuneigung tritt die Pflicht. Und das Ergebnis ist oft entsprechend: Unpersönlich, aber teuer. Und kaum mehr merkt man dem Geschenk an, dass sich der Schenker zuvor wirklich Gedanken gemacht hat. Nämlich über den Beschenkten. Was ihn interessiert, worüber er sich wirklich freuen würde, ja und vielleicht, was uns ihm näherbringt und uns mit ihm verbindet. Und was wirklich zählt.

Wie zum Beispiel gemeinsame Zeit. Denn wer uns einen Teil seiner Lebenszeit schenkt, dem sind wir wirklich wichtig.
Gut, wir können Zeit nicht in glänzendes Geschenkpapier einwickeln. Aber wie wäre es denn mal damit, Zeit in Form eines gemeinsamen Events zu verschenken. Wo Sie ihren Liebsten lecker bekochen, die Kinder in einen Freizeitpark einladen, die Oma sonntags ins Cafe entführen, als Babysitter fungieren, während Ihre Schwester sich einen Wellnesstag gönnt oder die Freundin auf einen Tag im Eselpark einladen.

Der Möglichkeiten gibt es viele und sie sind so individuell wie Sie selbst und die Menschen, die Sie lieben.

Wetten, dass man sich an diese Geschenke auch noch in drei Jahren erinnert?